Dosenherstellung

1830 weilte der Baron von Campen aus dem Dorf Kirchberg bei Seesen in Paris. Dort sah er die Erfindung des Nicolas Appert: Eingemachte Sommerfrüchte, die man zu Weihnachten essen konnte! Begeistert erzählte er dem Klempner Heinrich Züchner davon und bestellte bei ihm solche Dosen für seinen Gutshaushalt. Damit hielt die Konservendose in Deutschland Einzug.

Heinrich Züchner und sein Sohn Rudolf arbeiteten als „Konservierende Klempner“. Sie leisteten in Deutschland Pionierarbeit auf dem Gebiet der Konservenfertigung.


Titelblatt einer Rezeptbroschüre für Konserven aus dem Jahr 1958.

Der neue Industriezweig am Ort wuchs zunächst zwar nur langsam, aber stetig. Der eigentliche Aufschwung der Seesener Blechwarenindustrie begann 1907 mit der Gründung der „Seesener Blechwarenfabrik Fritz Züchner“ durch Rudolfs Sohn Fritz Züchner „der Ältere“. Die Firma entwickelte sich rasch und war vielfältig aktiv. Fritz Züchner förderte den Gemüseanbau in der Region und damit auch den Bedarf an Dosen. Durch den Aufbau einer eigenen Weissblech-Walzanlage gewann das Unternehmen in den Mangeljahren des Weltkrieges ein Weissblechmonopol. Durch die folgende Inflation ging die Firma 1926 verloren, doch sein Sohn, Fritz Züchner „der Jüngere“, begann sofort neu.


Manuelle Dosenfertigung Ende des 19. Jahrhunderts.

Was die Weissblechdose für seinen Vater war, wird für ihn und seine „Blechwarenfabrik Fritz Züchner GmbH“, die nun aus lackiertem Blech hergestellte innovative „Schwarzblechdose“.

Die Selbstständigkeit dauerte bis 1987. Heute ist das Unternehmen Teil des Verpackungskonzerns Crown.

Das Museum zeigt in einer großen Dauerausstellung die Entwicklung von der handgefertigten Dose aus der Klempner-Werkstatt bis zur industriellen Massenherstellung auf einer Fertigungsstraße aus der Zeit um 1950.

Ernährungsindustrie

Sieburg & Pförtner

Im Jahr 1884 begann der Seesener Heinrich Sieburg mit einer zunächst bescheidenen Konservenfabrikation. Die Dosen bezog er von Rudolf Züchner, mit dem er in Seesen 1886 eine erste Konservenfabrik gründete.

Nach der betrieblichen Trennung in “ Dosenhersteller“ und „Dosenbefüller“ 1889 trat Sieburgs Schwiegersohn Carl Pförtner 1890 in die neue Firma ein, die nun als „Seesener Conservenfabrik Sieburg und Pförtner“ unter der Handelsmarke „Sonne“ industriell produzierte. Ab 1924 gab es dann neben den „Sonnen Conserven“ auch die „Sonnen Eier- Nudeln“ neu im Sortiment.

Etiketten der Marke Sonne zwischen 1900 und 1920.

Im Jahr 1931 schloss man sich mit der gleichfalls angesehenen Konservenfabrik „M. Bassermann & Cie“ zusammen. Die anfänglich getrennte Vermarktung wurde 1967 zur gemeinsamen Vertriebsmarke „Sonnen-Bassermann“ zusammengelegt.

Heute gehört das Untenehmen zum Lebensmittelkonzern Heinz, der insbesondere durch den Heinz-Ketchup bekannt geworden ist.


Konservendosen „Made in Seesen“

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